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| JÓZSEF ATTILA Ungarischer Dichter
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In einer Vorstadt von Budapest wurde Attila József am 11. April 1905 geboren. Seinen Vater, einen Seifensieder, hat er kaum gekannt. Áron József verschwand, als der Junge drei Jahre alt war; zunächst glaubte man, nach Amerika, später hieß es, er habe in Rumänien gelebt.
Die Räterepublik kam und wurde im Blut erstickt, flüchtige Vision der Zukunft, wie mit ihr und nach ihr die Kommunen von München, Essen, Hamburg und Kanton, mit ihren Bannern, ihren Meetings, ihren Straßenbällen. Niemals sollte Attila den Unbekannten vergessen, der ihm Lenins "Staat und Revolution" auf der Straße zusteckte. Die Mutter starb in einem Baracken-hospital an Krebs, während der Junge auf einer Ham sterfahrt war. Er war vierzehn Jahre alt, bettelte, han delte mit Briefmarken und Banknoten, trieb sich auf den Straßen und in den Cafés umher, wo die elegante Pest ' geschnürter Offiziere und Huren den Sieg über die Revolution feierte. Es gelang ihm, allmählich, mit Hindernissen, das Gymnasium zu absolvieren. Zwischendurch mußte er immer wieder arbeiten, um existieren zu können, einmal als Schiffsjunge auf Donaudampfern, einmal als Hauslehrer, einmal als Tagelöhner. Er war siebzehn Jahre alt, als die liberale Literaturzeitschrift "Nyugat" seine ersten Gedichte veröffentlichte. Attila József versuchte als Bücheragent und Bankange stellter zu leben und ging dann an die Universität Szeged mit dem Ziel, Gymnasiallehrer für Ungarisch und Französisch zu werden. Der Plan mißglückte, da einer der Professoren erklärte, Leute dieses Schlags dürften die junge Generation auf keinen Fall unterrichten, wobei er Attila József eine Zeitung mit einem von Józsefs Gedichten vor die Nase hielt. József verbrachte ein Jahr in Wien, wo er mit Kommunisten in Berührung kam; dann ging er nach Paris, studierte an der Sorbonne, Im Schatten der Galgen und Schafotte flüchtete die ungarische Revolution in Attila Józsefs Verse, die nicht mehr erscheinen konnten, aber im Gedächtnis revolutionärer Arbeiter und Intellektueller lebten. Durch Europa dröhnte der Faschismus. In einem Brief Józsefs, den er Anfang 1933 an den Lyriker Babits richtet, heißt es: "Seit längerer Zeit hungern wir, meine Frau und ich, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wirtschaftsverband der Schriftsteller wies mir als Mittagessen einen Kaffee und eine Semmel im Café Club an; diese Hilfe nahm ich monatelang in Anspruch, sie hörte aber am 1. Januar auf. Mein Einkommen machte in diesem Jahr fünf zehn Pengö aus. Alle unsere Sachen, das Bettzeug einbegriffen, sind versetzt. Wir heizen nicht. Ich habe keine Schuhe, richtiger, ich trage ein Paar 43er; meine Schuhgröße ist 39. An den Hunger habe ich mich schon gewöhnt." Die Schizophrenie, die sich in seinen Versen ankündigt, bricht aus, führt ihn in die Nervenheilan stalt. "Ich lausche den Nachrichten, die eine Stimme aus meiner Tiefe bringt", lautet eine Notiz. Aber die grandiosen Verse, die in den letzten Jahren entstehen, sind nicht nur einfach Produkte der Krankheit; sie bäumen sich gegen die Krankheit auf, sie rufen nach Vernunft und Ordnung; und wo sie von Ängsten und Verzweifelung handeln, geht es stets auch um die Ängste aller, um die ungewisse Zukunft der Menschheit. Die wirkliche Krankheit, die ihn nicht aus den Fängen läßt, auch als die Anstalt schon hinter ihm liegt, das ist der "Dschungelstaat", von dem in einem Gedicht die Rede ist. Attila József erliegt dem Faschismus, dem Hunger, einer wahrhaft mörderischen Einsamkeit. Er ist zweiunddreißig Jahre alt, als er sich im Winter 1937 in der Nähe eines kleinen Dorfes am Plattensee vor einen Güterzug wirft. |
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(Dieser Text ist nach dem Vorwort von: Attila József: Gedichte. Hrsg. von Stephan Hermlin, Verlag Corvina, Budapest, 1964. verfußt worden.) Bibliographie auf Deutsch
Jozsef, Attila, 1905-1937.
Gedichte / Attila Jozsef.
Hrsg. von Stephan Hermlin ; deutsch von Gunther Deicke ... [et al.].
1. Aufl. Berlin : Volk und Welt, 1960.
Szabolcsi,-Miklos
Attila Jozsef - Schopfer ungarischer sozialistischer Dichtung
von weltliterarischem Rang. 155-184.
IN Szabolcsi-Miklos (ed. & pref.); Illes-Laszlo (ed.);
Farkas-Jozsef (ed.). "Wir kampften treu fur die Revolution":
Studien zur Geschichte der ungarischen sozialistischen Literatur.
Budapest : Akad. Kiado, 1979. 585 p.
Ötvös, Péterné |
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